DossierRegulierung & Aufsicht2 Min. Lesezeit
Regulierung der Finanzberatung 2026/2027: Was BaFin, BMF und EU gerade ändern
Fünf Vorhaben bestimmen die Regulierung der Beratung in den nächsten zwei Jahren: die EU-Kleinanlegerstrategie, die PEPP-Reform, die Finfluencer-Aufsicht der BaFin, das Ende des Payment for Order Flow und die Altersvorsorgereform. Dieses Dossier hält den Stand aller fünf fest.

Stand: 7. September 2026. Aktualisierung bei jeder neuen Verfahrensstufe; Protokoll am Ende.
1. Kleinanlegerstrategie (RIS)
Der Ausschuss der Ständigen Vertreter hat den Kompromiss am 5. Juni 2026 gebilligt. Das Europäische Parlament stimmt voraussichtlich Mitte September im Plenum ab, dann folgt der Rat. Die Veröffentlichung im Amtsblatt wird zum Jahresende erwartet, nachdem mehrere Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, Nachbesserungen verlangt hatten. Umsetzung 24 Monate, Anwendung rund 30 Monate nach Inkrafttreten: 2029.
Inhalt für Vermittler: kein generelles Provisionsverbot; ein europaweiter Inducement-Test, nach dem Provisionen zulässig bleiben, wenn sie den Kundeninteressen nicht widersprechen und einen nachweisbaren Nutzen bieten; Ausweis der Provisionsbestandteile; Value-for-Money-Prüfung gegen europäische Kostenbenchmarks; Erleichterungen bei der Geeignetheitsprüfung für einfache, kostengünstige Produkte; Pflichten für Unternehmen, die mit Finfluencern zusammenarbeiten. Der Maßstab für den Kundennutzen ist noch nicht definiert.
2. PEPP-Reform
Der ECON-Berichtsentwurf (Berichterstatterin Stéphanie Yon-Courtin) streicht den Kostendeckel von einem Prozent, macht Beratung beim Abschluss zur Pflicht, setzt den digitalen Weg als Standard und streicht die Bindung der Basis-PEPP-Beratung an ein Honorarmodell. Der Rat hat seine Position seit Juni 2026. Ausschussabstimmung im Herbst, dann Plenum und Trilog.
3. Finfluencer
Die BaFin hat im Juli 2026 fünf Grundregeln für Finfluencer formuliert (Vergütung offenlegen, Interessenkonflikte, ehrliche Risikodarstellung, Erlaubnispflicht bei Beratung oder Vermittlung, rechtliche Verantwortung) und kündigt genauere Prüfungen an. Neue Gesetze hält sie nicht für nötig. Der BVK unterstützt das und verlangt gleiche Regeln für alle Kanäle.
4. Payment for Order Flow
Das EU-weite Verbot von Zahlungen für die Weiterleitung von Kundenaufträgen aus der MiFIR-Reform ist in der Übergangsphase. Die BaFin hat am 22. Juli 2026 eine Aufsichtsmitteilung mit „Dos and Don'ts“ für Neobroker veröffentlicht, die beschreibt, welche Vergütungsmodelle sie noch akzeptiert.
5. Altersvorsorge
Das Altersvorsorgereformgesetz (Bundesrat 8. Mai 2026) führt zum 1. Januar 2027 das Altersvorsorgedepot mit Kostendeckel von einem Prozent ein; die Frühstartrente (Kabinett 12. August 2026) soll zeitgleich starten. Details im Dossier Altersvorsorge.
Was das für Berater heißt
Kein einziges dieser Vorhaben verbietet Provisionen, alle fünf erhöhen die Dokumentation. Wer 2027 mit einer Beratungsdokumentation arbeitet, die Kundennutzen, Kostenvergleich und Vergütungsbestandteile ausweist, ist für die RIS 2029 vorbereitet und hat für Altersvorsorgedepot und Riester-Wechsel schon das richtige Format.
Kurz gesagt: Fünf Vorhaben, kein Provisionsverbot, mehr Nachweispflichten.
Änderungsprotokoll
- September 2026: Erstfassung.